14 Grad unter Null - das ist ungewöhnlich mild für unsere eiskalten Typen. © Bill Braden

Am Limit

Betonieren bei Eiseskälte? Seilbahnbau bei Orkanböen? HOCHTIEF-Mitarbeiter kennen die Arbeit in Extremen.

Dave Brothers ist eiskalt. Minus 14 Grad Celsius. Ein Dezembertag in Yellowknife, Kanada. „Ungewöhnlich mild“, findet das Dave Brothers. Kann man so sehen, wenn die Höchsttemperatur in dieser Jahreszeit durchschnittlich bei 24 Grad unter Null liegt. Kann man da bauen? Brothers kann.

Brothers ist Vice President von Clark Builders. An dem Unternehmen aus Edmonton ist HOCHTIEF über seine US-Tochter Turner beteiligt. Kanada – das heißt: oft Arbeiten über Monate hinweg bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. „An Kälte kann sich ein Mensch gewöhnen“, sagt Brothers, der Kälteveteran. Der Mensch schon, das Material auch?

Krankenhaus-Neubau im kanadischen Winter, in einem der eisigsten Winkel der zivilisierten Welt. Lassen sich da Fundamente betonieren? Na klar. Die Bauindustrie hat Techniken und Routinen entwickelt. Die Verschalungen für das Fundament werden nachts vorgeheizt. Gleich nach dem Gießen des Betons werden die Elemente abgedeckt - und fünf Tage beheizt.

Wetterkapriolen nehmen zu
Brothers und seine Leute bauen im Grenzbereich. Material, Technik und Know-how, das dort zum Einsatz kommt, ist auch in gemäßigteren Breiten zunehmend von Bedeutung. „Aufgrund des Klimawandels werden sich Wetterextreme auch in Deutschland häufen“. sagt Andreas Schaab, Leiter der Fachabteilung Baustofftechnik (Consult Materials) von HOCHTIEF Engineering. Auch in Deutschland gibt es Regionen mit arktischer Kälte im Winter und tropischen Temperaturen im Sommer.

Spot an
HOCHTIEF hat heute bei vielen Projekten mit extremen Verhältnissen zu tun. So wie in Island. Für ein Kavernenkraftwerk als Teil eines Staudamm-Projekts sprengten die HOCHTIEF-Mitarbeiter riesige Turbinen- und Transformatoren-Kavernen in den Fels. Für die Verkleidung brauchten sie 25.000 Kubikmeter Beton. Und Scheinwerfer: Denn im Winter gibt es auf Island phasenweise nur vier bis fünf Stunden Tageslicht.

Schnee im Sommer
Bauen, wo andere später Urlaub machen. Ein harter Job, wenn es um die Alpen geht. Da müssen Lastwagen schon mal mit Seilwinden hochgezogen werden, denn allein schaffen sie Steigungen von bis zu 30 Prozent nicht.

Beton aus der Design-Werkstatt
Beton ist empfindlich. Hitze und Kälte mag er während des Gießens und Aushärtens nicht. Um das Temperaturfenster für den Betoneinsatz zu erweitern, haben sich Materialentwickler einiges angerührt. Beton ist heute nicht mehr bloß ein Gemisch aus Wasser, Kies und Zement, sondern ein im Labor designter Cocktail mit immer mehr Stoffen und Mittelchen. Je nach Bedarf können Zusätze beigemischt werden, die den Beton auch bei Hitze entsprechend lang verarbeitbar halten.

Bei großer Hitze werden Kies und Zugabewasser vor dem Mischen gekühlt. Der gemischte Frischbeton kann mit Flüssig-Stickstoff besprüht und kalt gehalten werden. Umgekehrt gibt es auch Mittel und Wege, um Reaktionen zu beschleunigen und den Beton länger warm zu halten. „Neue Baustoffe erweitern unsere Möglichkeiten“, sagt Baustoffexperte Andreas Schaab. „Aber entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden. Bauen unter Extrembedingungen ist am Ende vor allem eine Frage der Ingenieurskunst.“


Christian Pfurtscheller ist Spezialist für alpines Bauen. Ins Stubaital setzte er eine Eisgratbahn, das größte Einzelprojekt in Österreichs Seilbahngeschichte. Die Bahn bringt Wintersportler auf den 2900 Meter hohen Gletscher. Wer so hoch hinaus will, der bekommt es mit der Natur zu tun. „Wir hatten hier schon im August bis zu 15 Zentimeter Schnee“, sagt Pfurtscheller. Und es pfiff den HOCHTIEFlern um die Ohren: Windgeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometer, Orkanstärke. Und dann die Luft: Arbeiten in diesen Höhen werden wegen des geringen Sauerstoffgehalts in der Luft extrem anstrengend. „Wer das nicht gewöhnt sind, fällt um acht Uhr abends erschöpft ins Bett.“

01.01.2017
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