Beton im Brennpunkt © HOCHTIEF/Kleber

Die Betondesigner

Zerborsten, gegrillt, eingefroren und zerdrückt - unsere Experten führen Beton an Grenzen. Innovation auf die harte Tour, und zwar die steinharte.

Reichlich ramponiert ruhen Betonklötze im HOCHTIEF Innovation & Testing Center in Regalen. Extrem sind die Torturen, denen sie hier in Mörfelden-Walldorf ausgesetzt waren. Wir sperren sie bei minus 40 Grad in eine Kühlkammer, lassen sie aus mehreren Metern Höhe zu Boden krachen, spannen sie in Schleifscheiben – und grillen sie bei bis zu 1200 Grad. Unseren Prüfern geht’s nicht um Folter, sondern um Forschung und Entwicklung sowie Qualitätssicherung. Dafür treiben wir den Stoff an seine Grenzen – und manchmal auch darüber hinaus. „Beton ist ein spannendes Material, weil er so vielseitig ist“, sagt Marco Tschötschel. Er leitet das HOCHTIEF-Labor.

Multitalent
Beton kann Brücken tragen und Häuser stützen. Wasser stauen und durch Kanäle führen. Er schützt vor Feuer und Kälte, Strahlung oder Schall. Kurz, er ist ein Multitalent. Und viele seiner Talente können Tschötschel und sein Team auf die Probe stellen. Und das mit dem Ziel, Beton noch besser zu machen.

Der Weg dorthin ist bisweilen brutal. Das bezeugen zerstörte Betonproben, die den Hof vor dem Labor säumen, der „Friedhof“, wie wir ihn hier nennen. Sie waren Belastungstests, Bruch- und Schleiftests, Zug- und Druckversuchen, Feuer- und Kälteschocks ausgesetzt. Mit Praxistests entlockt die einzige private Einrichtung dieser Art im deutschen Bauwesen dem Beton oder Mörtel immer neue Möglichkeiten. „Am Ende kommt es auf die richtige Mischung an“, sagt Tschötschel.

Rezept? Streng geheim
Kies, Sand, Wasser und Zement – das ist das Grundrezept für Beton. Seine speziellen Talente fördern wir mit Chemikalien und Mineralien, damit er etwa wirken kann wie flandrische Spitze, wenn er Fassaden ziert, pünktlich nach 30 Minuten im Tunnel aushärtet oder die Umwelt vor Strahlung schützt, wenn er meterdick radioaktives Material umhüllt.

Genauso wenig wie der Risotto beim Sternekoch seine Zutaten verrät, sieht man auch dem Beton seine Rezeptur nicht an. Staunt aber über seine beeindruckende Leistung: der „Dämpferbeton“ für Castorbehälter, dem die HOCHTIEF-Ingenieure Styroporkugeln zusetzten, damit er mögliche Stürze abfedert oder die Betonmischung für den Prototypen des Tiefsee-Energiespeichers StEnSea, der dem Wasserdruck in 100 Metern Tiefe standhält.

Die extremen Herausforderungen für das Material und die Tester und nicht zuletzt seine Erfolge begründen den internationalen Ruf des Innovation & Testing Center. Unsere Ingenieure gehen ihre Arbeit mit kühlem Kopf an. Und testen, bis die Mischung stimmt. Ihre Rezepturen? Bleiben streng geheim.

Auf dem Radar
Wenn Brücken bröckeln oder Bauwerke vor der Sanierung stehen, sind unsere Experten ebenfalls gefragt. „Um im Material verborgene Schäden zu orten, durchleuchten wir Beton wie Ärzte ihre Patienten“, sagt Bauingenieurin Bente Ebsen. Eisen im Beton ortet und markiert die Ingenieurin per Radar. Stärke und Homogenität des Betons werden mit Ultraschall analysiert. Hohlräume in den Bauteilen untersucht sie mit einer knopfgroßen Kamera am Ende eines Endoskops. Wo sonst gebohrt oder dem Bauwerk Materialproben entnommen werden müssen, kann Tschötschels Team zerstörungsfrei helfen. Denn ihre Diagnose beruht auf Erfahrung und zahllosen Tests.

07.07.2017
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