© AlpTransit Gotthard AG/Angel Sanchez

Als Heidi sich durch den Berg bohrt…

… erlebt Jürgen Mielenz einige der spannendsten und intensivsten Momente in seinem Arbeitsleben. Der Gotthard – da hat Mielenz seinen ganz speziellen Tunnelblick. Da sieht er sich in der mit Neonlampen ausgeleuchteten Felsenhöhle, steht auf holprigem Grund, schaut nach oben zur 15 Meter entfernten freigesprengten Decke, die hier Firste heißt. Und denkt: 2.000 Meter Felsen liegen noch darüber. Fast unvorstellbar.

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Wenn Menschen sich den Weg durch einen Berg bahnen, dann schreiben sie Geschichte. Und der Gotthard-Basistunnel von Deutschland nach Italien erzählt eine besondere Geschichte. Der längste Eisenbahntunnnel der Welt. 57 Kilometer. Mielenz (im Bild links) ist einer der Pioniere, die das 2016 eröffnete Megaprojekt stemmten. Acht Jahre hat HOCHTIEF am Rohbau gearbeitet, Mielenz leitet das Technische Büro. Hier laufen die Fäden für die Technik und Arbeitsvorbereitung auf der Baustelle zusammen. Der Vortrieb im Tunnel wird vermessen.

Spannend: Am Anfang steht auch der Zweifel. Wie kommen wir da nur durch? Nun – er ist ja nicht allein. Da sind bis zu 1.000 Kollegen unter Tage. Und da ist zum Beispiel die „Heidi“. „Ein passender Name bei einem Projekt in der Schweiz“, wie Mielenz findet. Heidi heißt eine der beiden riesigen Tunnelbohrer. 450 Meter lang, 2.700 Tonnen schwer. Für solche Maschinen ist das Wort „Ungetüm“ wohl erfunden worden. Und Heidi hat Zähne, 58 an der Zahl. Ihr „Gebiss“ ist kreisrund und misst fast neun Meter von einem Ende zum anderen. Mit kreischenden Bewegungen schraubt sich Heidi immer weiter in den Berg. Rund zwölf Meter geht es Tag für Tag weiter hinein. „Tunnelbauer wollen Meter machen“, sagt Mielenz. Eine heiße Angelegenheit. So tief im Berg misst das Thermometer an die 50 Grad. Mit Wasserröhren haben sie eine Art Klimaanlage gebaut. Nun ist es 30 Grad – fast schon kühl. Man kann arbeiten.

Intensiv: Für Jürgen Mielenz ist ein Traum in Erfüllung gegangen. „Der Gotthard, das ist das Projekt meines Lebens. Davon träumt man als Ingenieur, an so was mitzubauen.“

Viele Arbeiten werden zeitgleich gemacht – Ausbruch, Sicherung und Innenausbau, auch die Querschläge müssen dem Vortrieb folgen. Das ausgebrochene Gestein wird mit Schutterzügen aus dem Tunnel transportiert, Beton wird hineingefahren. Bis zu 80 Loks sind gleichzeitig im Tunnelbetrieb im Einsatz.

Fakten

  • 17 Jahre insgesamt wurde am Tunnel gebaut
  • 1,5 Mio. Kubikmeter Beton hat HOCHTIEF in den Röhren verbaut
  • 28,2 Mio. Gestein wurden insgesamt aus dem Tunnel geholt
  • 4 Cheops-Pyramiden füllt der gesamte Abraum aus dem Tunnel

Pure Logistik. „Die Ausmaße dieser Mengen sind nur schwer vorstellbar,“ schwärmt Mielenz. „Man könnte mit dem gesamten Abraum vier Cheops-Pyramiden bauen.“ Beim Durchschlag des Tunnels 2010 begegneten sich punktgenau Nord- und Südröhre – das war Maßarbeit.

Ein Mythos: Für Mielenz ist der Gotthard ein Mythos, ein realer. Auch heute noch liebt er sein T-Shirt, das er beim Durchschlag des Tunnels getragen hat. Mit großen Lettern steht auf der Brust geschrieben „Weltrekord am Gotthard. 57 Kilometer“.


06.02.2017
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