BIM - Elbphilharmonie © HOCHTIEF ViCon

Big Data auf der Baustelle

Die Zukunft des Bauens ist digital. Sagen die, die es wissen müssen: Architekten, Ingenieure, Facility Manager, der Bundesverkehrsminister. Das Zauberwort heißt BIM und steht für Building Information Modeling.

Die Methode basiert auf der aktiven Vernetzung aller am Bau Beteiligten mithilfe eines 3-D-Computermodells, das man sich wie das Röntgenbild eines Hauses oder eines Tunnels vorstellen kann. Am Computer werden Leitungen, Wände, Treppen und Mauern sichtbar. Per Mausklick lässt sich dann zum Beispiel berechnen, wieviel Kubikmeter Beton oder Estrich benötigt werden. Kommt die Idee auf, eine noch nicht gebaute Wand zu verschieben und so die Planung zu verändern, werden alle daraus folgenden Konsequenzen für andere Gewerke in Sekundenschnelle berechnet. Das Modell kann mit weiteren Informationen wie Zeit, Kosten und Nutzung ergänzt werden. Laut Studien hilft BIM dabei, zirka 20 Prozent der Baukosten und zirka 50 Prozent der CO2-Emissionen einzusparen.

Ein Kulturwandel, der alles bisher Gewohnte auf den Kopf stellt.
BIM ist vor allem ein Kooperationsmodell, das enge Zusamemnarbeit sowie intensive Kommunikation ermöglicht und erfordert. Transparenz zählt zu den wichtigsten Versprechen der Digitalisierung. Und kann auch Skeptiker von den Vorteilen eines digitalen Gebäudemodells überzeugen: Alle Änderungen sind immer für alle sichtbar, jeder kann darauf zugreifen und Fehler schnell erkennen. Heute arbeiten viele Gewerke nebeneinander, und Pannen zeigen sich oft erst spät.

Probleme beheben, bevor sie entstehen
Beispiel Elbphilharmonie: Auch beim Bau der Musik-Kathedrale in Hamburg spielte das digitale Bauen bereits eine zentrale Rolle. Dabei war ein 3-D-Modell von allen Gewerken bei der Elbphilharmonie noch etwas Neues. Erst digital, dann real bauen. Das offenbart Konflikte im Bauablauf, lange bevor die Baustelle eingerichtet ist. Die BIM-Experten haben so schon beim Planen tausende Stellen entdeckt und Probleme behoben, lange bevor sie auf der Baustelle zum Stolperstein hätten werden können. Gerade bei den beengten Verhältnissen für die komplexe Haustechnik des Gebäudes war das ein unschätzbarer Vorteil. „Ohne BIM hätte die Elbphilharmonie nie gebaut werden können“, ist sich Dirk Schaper, Geschäftsführer von HOCHTIEF ViCon sicher. Wenn künftig der Ton in Hamburg ein wahrer Ohrenschmaus wird, so liegt das auch an BIM: Denn die „weiße Haut“ an Wänden und Decke des Großen Saals der Elbphilharmonie wurde ebenfalls mit digitaler Unterstützung entwickelt. Das virtuelle Gebäudemodell wächst während der Bauzeit durch die am Projekt beteiligten Unternehmen und der Tablet-Computer wird zum normalen Arbeitsgerät auf der Baustelle.

Pionier der Digitalisierung
Das Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken mit Hilfe eines digitalen Modells soll bundesweit zum Standard werden, fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und stellte 2015 einen Stufenplan zur Einführung vor. Zunächst mit dem Ziel, dass BIM ab Ende 2020 für Projekte im Zuständigkeitsbereich seines Ministeriums regelmäßig zum Einsatz kommt.

HOCHTIEF hat das Potenzial von BIM früh erkannt und initiierte 2003 „Virtuelles Bauen“ als Innovationsschwerpunkt – inspiriert von der amerikanischen Konzerntochter Turner, die seit 2002 mehr als 1000 Projekte mit BIM realisierte – darunter das weltberühmte Yankee Stadium in New York. Amerikanisch-deutscher Know-how-Transfer, der HOCHTIEF zum Pionier der Digitalisierung im Baubereich machte. HOCHTIEF ViCon, das BIM-Kompetenzzentrum des Konzerns, ist seitdem weltweit im Einsatz. Aktuell auch beim Projekt Sydney Metro, dem größten Infrastrukturvorhaben Australiens, hat ViCon BIM implementiert und treibt digitalisierte Bauprozesse weiter voran. Mittlerweile verfügt auch die australische HOCHTIEF-Tochter CIMIC über eine BIM Excellence Group.

BIM macht erst auf den ganzen Lebenszyklus einer Immobilie bezogen richtig Sinn.
Vor allem Architekten und Bauunternehmen müssen zwar beim BIM zunächst dafür sorgen, dass die Daten ins System kommen. Nutznießer sind aber später auch andere: Neben den Eigentümern und Investoren trifft das vor allem auf die Property Manager und Facility Manager zu. Für sie wird die Immobilie dadurch insgesamt besser zu handhaben. Optimal sind die BIM-Möglichkeiten genutzt, wenn bereits im Planungsprozess die aus Betreibersicht wichtigen Aspekte in das BIM-Modell eingebracht werden. Ein Vorteil, den sich auch synexs, HOCHTIEFs Facility Management-Gesellschaft, zunutze macht. Das Unternehmen bündelt auf der Basis von BIM alle Daten, die für den effizienten Betrieb von Immobilien und Anlagen wichtig sind. Liegenschaften können so in „Echtzeit“ gesteuert, alle Themen „just in time“ avisiert werden. Ein Zugang zu relevanten Informationen ist für den Kunden jederzeit möglich, der Betrieb wird lückenlos und transparent dokumentiert. So sind die BIM-Daten in jeder Phase des Lebenszyklus immer auf einem aktuellen Stand. Davon profitieren wiederum Architekten und Bauunternehmen bei der Planung neuer Projekte.

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01.01.2017
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